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Lisa: Trotz Maus kein Mac

Geschichte | Technische Daten | Links | Emulatoren | Screenshot

Geschichte

Apple LisaDie Geschichte der Apple Lisa ist lang - genauer gesagt, von allen Apple-Computern ist sie derjenige mit der längsten Entwicklungszeit. Die Planungen begannen im Sommer 1979, als Steve Jobs nicht mehr nur aktuelle Computer herstellen, sondern die nächste Computergeneration begründen wollte. Das neue System sollte nicht nur auf einem 16-Bit-Prozessor basieren, sondern auch in Design und Benutzeroberfläche neue Maßstäbe setzen und dabei für 2000 Dollar erhältlich sein. Unter Leitung von Ken Rothmueller (Hardware) und Bill Atkinson (Software) entstand so gegen Ende 1979 der erste Lisa-Prototyp. Er basierte auf dem damals brandneuen 68000-Mikroprozessor von Motorola, besaß ein klobiges Gehäuse mit eingebauter Tastatur und die damals sehr vornehme grün-schwarze Bildschirmdarstellung. Am herausragendsten war jedoch, daß diese Bildschirmdarstellung im Grafikmodus erfolgte.

Steve Jobs war von diesem Konzept nur bedingt angetan; es war ihm nicht innovativ genug, um sich behaupten zu können. So suchte er nach einem Kooperationspartner für die weitere Entwicklung der Maschine, und er wurde bei der Firma Xerox fündig, die damals als wichtigster Innovator im Großrechnerbereich galt. Xerox investierte eine Million Dollar in die damals noch nicht frei erhältlichen Apple-Aktien, und Apple erhielt dafür Einblick in Xerox' Forschungszentrum, das Xerox Palo Alto Research Center.

Xerox AltoDer Besuch dort zeigte dem Lisa-Team, daß sie auf dem richtigen Weg waren, ihn jedoch noch nicht weit genug beschritten hatten. Xerox arbeitete zu dieser Zeit nämlich an der Weiterentwicklung des Xerox Alto (Bild links), eines 1973 auf den Markt gekommenen Großrechners. Genau wie der Xerox Alto sollte die neue Maschine - der Xerox Star - über eine grafische Bildschirmdarstellung verfügen, diese jedoch durch Mausbedienung wirklich intuitiv gestalten. Das Lisa-Team war überwältigt von den neuen Möglichkeiten, und bei den Bemühungen, das Xerox-Konzept auf die Lisa zu übertragen, wurde der Kostenaspekt völlig aus den Augen verloren. Nicht nur, daß die Lisa nun eine Maus erhalten sollte, sie sollte vor allem auch statt des grün-schwarzen Bildschirms eine schwarz-weiße Bildröhre erhalten.

Im Zuge einer Reorganisation wurde Steve Jobs im September 1980 zum Vorsitzenden des Apple-Verwaltungsrates berufen - was bedeutete, daß er Apple in der Öffentlichkeit repräsentieren, sich jedoch nicht mehr um das Lisa-Projekt kümmern konnte. Die Arbeit an der Lisa kam nur schleppend voran, ein auf dem neuen Konzept basierender lauffähiger Prototyp konnte erst Anfang 1982 fertiggestellt werden. Auch die Entwicklung der Software gestaltete sich komplizierter als vorhergesehen - Apple wollte die Lisa mit einer Reihe Büroanwendungen ausstatten, um sie als erste Wahl für Geschäftskunden auf dem Markt lancieren zu können.

LisaWrite-DisketteSchließlich bereitete das besondere Diskettenlaufwerk Probleme, das für die Lisa konstruiert wurde. Die Lisa sollte 5 1/4-Zoll High Density-Disketten verarbeiten können, die damals noch kaum in Gebrauch waren, doch die von Apple konstruierten Diskettenlaufwerke arbeiteten alles andere als fehlerfrei. Schließ wurde die Markteinführung der Lisa auf Mai 1983 verschoben, nachdem die japanische Firma ALPS zur Konstruktion neuer Laufwerke gewonnen werden konnte.

Die öffentliche Präsentation der Lisa fand im Januar 1983 statt, stand jedoch unter einem denkbar ungünstigen Vorzeichen: Steve Jobs hatte, nachdem er das Lisa-Team "verloren" hatte, die noch junge Macintosh-Abteilung übernommen und den ursprünglich als 8-Bit-Rechner geplanten Macintosh so umkonzipiert, daß er nun ebenfalls über den Motorola 68000-Mikroprozessor verfügte, ebenfalls eine grafische Benuzteroberfläche mit Maussteuerung besaß, nur 2000 Dollar kosten sollte (die Lisa sollte mittlerweile 9995 Dollar kosten) und nicht zur Lisa kompatibel war. Steve Jobs kam nicht umhin, bei der Präsentation der Lisa dem staunenden Publikum zu erzählen, daß in Kürze auch der Macintosh erscheinen würde, der über alle Fähigkeiten der Lisa verfügen sollte, dafür aber wesentlich preiswerter sein würde.

Dementsprechend verhalten war dann auch die Reaktion auf das Erscheinen der Lisa. 1983 wurden nur 50.000 Geräte verkauft, da nur wenige Firmen bereit waren, 10.000 Dollar für einen Computer zu bezahlen, dessen Zukunft durch das Erscheinen des Macintosh ungewiß werden würde. Im Januar 1984 erschien dann eine modifizierte Version, die Lisa 2/10, die über mehr Arbeitsspeicher, eine größere Festplatte sowie über das 400K fassende 3 1/2 Zoll-Diskettenlaufwerk des Macintosh verfügte. Das Haupteinsatzgebiet dieser neuen Lisa-Version lag allerdings in der Macintosh-Softwareentwicklung: Der Arbeitsspeicher des Macintosh war mit 128K für Softwareentwicklung viel zu klein, sodaß für kompliziertere Programmentwicklungen der größere Arbeitsspeicher der Lisa benötigt wurde.

Anfang 1985 wurde die Lisa 2/10 dann in "Macintosh XL" umbenannt und mit dem Programm "MacWorks" ausgeliefert, mit dem auf der Lisa auch Macintosh-Programme genutzt werden konnten. Die Verkaufszahlen blieben jedoch weiterhin schwach. Im April 1985 wurde die Hardwareproduktion und im Januar 1986, als insgesamt etwa 100.000 Lisas verkauft worden waren, schließlich auch der Verkauf eingestellt. Die letzten 2700 unverkauften Lisas wurden in einem Acker im US-Bundesstaat Utah vergraben, damit Apple sie von der Steuer abschreiben konnte.

Über die Bedeutung des namens "Lisa" streiten sich übrigens die Geister. Nach offizieller Lesart steht "Lisa" für "Local Integrated Software Architecture" - Steve Jobs hatte jedoch einige Monate vor Beginn des Lisa-Projekts seiner unehelichen Tochter diesen Namen gegeben, sodaß allgemein angenommen wird, daß er sie auf diese Weise "verewigen" wollte.

Technische Daten


Lisa

Lisa 2/10 (später Macintosh XL)


Lisa Lisa 2/10
Verkaufszeit: Mai 1983 - Januar 1984 Januar 1984 - Januar 1986 (ab Januar 1985 als "Macintosh XL")
Prozessor: Motorola 68000, 5 Mhz Taktfrequenz Motorola 68000, 5 Mhz Taktfrequenz
Arbeitsspeicher: 16 K ROM, 512 K oder 1 MB RAM, 32 K Video-RAM 16 K ROM, 1 MB oder 2 MB RAM, 32 K Video-RAM
Massenspeicher: 5 MB Festplatte, zwei 5 1/4 Zoll Diskettenlaufwerke (871 KB) 10 MB Festplatte, ein 3 1/2 Zoll Diskettenlaufwerk (400 KB)
Bildschirm: 12 Zoll schwarz/weiß, 720 * 360 Pixel Auflösung 12 Zoll schwarz/weiß, 720 * 360 Pixel Auflösung; Macintosh XL zusätzlich 608 * 431 Pixel Auflösung
Schnittstellen: 2 RS-232C-Anschlüsse (DB 25), 1 Parallelport (Centronics), 3 interne Steckplätze, Anschluß für externen Monitor, Tastaturanschluß (Klinkenstecker), Mausanschluß 2 RS-232C-Anschlüsse (DB 25), Anschluß für interne Festplatte, 3 interne Steckplätze, Anschluß für externen Monitor, Tastaturanschluß (Klinkenstecker), Mausanschluß

Links zur Lisa

  • Tom Stepleton's Apple Lisa Web Page
  • Apple Lisa Tribute
  • Lisa: Once Apple's first blush, now she's a legend long fade
  • Erste Erfahrungen mit LISA (Artikel von 1983, deutsch)
  • Heart of the Apple Lisa - Der Lisa-Song ;-)
  • Lisa/Macintosh XL Do-it-yourself Guide

    Lisa-Emulatoren

  • LisaWorks - A Project in Progess (Lisa-Emulator für Macintosh, derzeit in Entwicklung)
  • Lisa Emulator Project (Lisa-Emulator für mehrere Plattformen, derzeit in Entwicklung)

    Last but not least:

  • Apple Lisa Kaleidoscope Scheme (Mac-OS-Oberfläche im Lisa-Look...)

    Screenshot

    Von allen Computern mit dem bunten Apfel ist die Lisa sicherlich derjenige, der am meisten unterschätzt wurde. Mac-Usern der ersten Stunde war sie allein schon daher suspekt, weil sie ein seriöser Computer sein sollte, und für Apple II-Anhänger ist sie als "Vorbote des Macintosh" sowieso indiskutabel. Von daher ist die Lisa-Fangemeinde kleiner als die aller ander Apple-Rechner. Man darf aber nie vergessen, daß die Lisa der erste PC mit grafischer Benutzeroberfläche und Mausbedienung war. Selbst der Macintosh mußte bis zum Macintosh Plus (1986) reifen, bis er denselben Komfort bot, den man mit der Lisa schon 1983 hatte, und bei IBM-Kompatiblen dauerte es noch ein paar Jahre länger.

    Lisa Screenshot

    © Volkmar Friauf, 1998