Bei Apple begann man daher, Konzepte für einen "professionelleren" Computer, der die Tür zum Business-Bereich öffnen sollte, zu entwickeln. 1979 begann Jef Raskin mit den Arbeiten am Macintosh, und Steve Jobs leitete das Lisa-Projekt ein. Beide Projekte sahen jedoch eine völlig neue Hardware-Plattform vor und waren nicht zum Apple II kompatibel - dies jedoch schien für den Erfolg eines neuen Rechners unabdingbar zu sein, da sich das Software-Angebot für den Apple II rasch vergrößerte und mit entscheidend für den Erfolg dieses Computers war. Apple plante daher eine weitere Neuentwicklung, den Apple III. Während der Macintosh vorerst nur eine Studie blieb und die Lisa erst in einigen Jahren Apples Hauptprodukt werden sollte, war der Apple III als Computer für die unmittelbare Zukunft gedacht.
Noch bevor die technischen Details des neuen Gerätes festgelegt waren, hatte Steve Jobs bereits die Gestaltung des Gehäuses übernommen. Als dann die ersten Platinen fertiggestellt waren, paßten sie nicht in das Gehäuse - doch Steve Jobs weigerte sich, seinen Entwurf zu ändern und berief sich auf das Ansehen, das er mit dem Gehäuse des Apple II erworben hatte. So mußte kurzerhand die Hauptplatine umkonzipiert werden, und die einzige Lösung bestand darin, die Hauptplatine zu verkleinern und die dadurch "weggefallenen" Schaltungen auf einer zweiten Platine aufzubringen, die auf die erste aufgesteckt wurde. Dies trieb die Kosten des Gerätes jedoch in die Höhe, da die Steckkontakte aus Gold bestanden - um diese Kosten zu sparen, wurde auf Gold verzichtet, und man verwendete andere Metalle.
Von seinen Leistungsdaten her war der Apple III, als er 1980 fertiggestellt war, durchaus beeindruckend. Er war nicht bloß eine überarbeitete Version des Apple II, sondern wurde komplett neu konstruiert. Er verfügte über einen schnelleren Prozessor als der Apple II, besaß eine 80-Zeichenkarte, mehr Arbeitsspeicher, eine erweiterete Tastatur mit seperatem Ziffernblock und Kleinbuchstaben, konnte auf Festplatten zugreifen - und er besaß als erster Computer von Apple mit dem "Sophisticated Operation System" ein hierarchisches Betriebssystem, das mit Unterverzeichnissen umgehen konnte. "Nebenher" ließ er sich aber auch als normaler Apple II einsetzen und konnte somit auf den Fundus der Apple II-Software zugreifen - wobei die Apple III-Entwickler allerdings alles getan hatten, um den Apple II-Modus zu beschränken: Sie hatten spezielle Hardware entwickelt, mit der verhindert wurde, daß vom Apple II-Modus aus auf die erweiterten Fähigkeiten des Apple III zugegriffen werden konnte - Apple II-Progamme konnten daher nur auf 48 K Arbeitsspeicher zugreifen und die 80-Zeichenkarte nicht verwenden. Dieser Entwickler-Narzißmus zielte ausschließlich darauf ab, den Apple II als technologische Sackgasse darzustellen, dessen Ballast der Apple III zwar mit sich herumschleppte, aus dem er aber gleichzeitig den Ausweg bot.
Der Apple III war, als er auf dem Markt erschien, zu hochgezüchtet. Die von Steve Jobs erzwungene Umkonstruktion der Hauptplatine, verbunden mit dem Verzicht auf die teuren Goldkontakte, führte dazu, daß die Steckverbindungen zwischen den beiden Platinen korrodierten und die ausgelieferten Geräte nach kuzer Zeit funktionsunfähig waren. Software wurde für den Apple III daher kaum entwickelt, und aufgrund der künstlichen Drosselung seines Apple II-Modus' war der Rechner nicht in der Lage, die aktuellen Apple II-Programme auszuführen - denn auch für den Apple II gab es mittlerweile 80-Zeichenkarten und Speichererweiterungen auf 64 K. Die Nachfrage nach dem Apple III verlief daher schleppend, und die wenigen Käufer reklamierten ihre Geräte. Apple handelte schnell, reparierte die betroffenen Geräte und zog den Computer schließlich vom Markt zurück.
Größer als der finanzielle Schaden entwickelte sich der Image-Schaden für Apple. Als Computer für den Heimanwender war dem Apple II so manche Macke verziehen worden, doch der Apple III hatte auf einen ganz anderen Marktbereich abgezielt, der auf solche Pannen wesentlich empfindlicher reagierte. Auch der fehlerbereinigten Version des Apple III, der im Movember 1981 auf den Markt kam, sowie dem im Dezember 1983 vorgestellten Apple III+ (der von außen nur an der helleren Tastatur vom Vorgänger unterschieden werden kann), war kein finanzieller Erfolg beschieden - zu sehr lastete dem Computer der Ruf der Totgeburt an. Trotz einiger neuer Funktionen des Apple III+, die erst deutlich später in die Apple II-Familie einfließen sollten (wie die doppelte Grafikauflösung oder die batteriebetriebe Echtzeituhr), konnte sich die Apple III-Reihe nicht am Markt durchsetzen und wurde 1984 endgültig eingestellt.
Von den etwa 60.000 verkaufen Geräten sind heute noch etwa 100 im Einsatz. Der Zusammenhalt unter den Apple III-Besitzern ist enorm, es gibt eine eigene Mailingliste, und es wird sogar noch Hard- und Software entwickelt - in Handarbeit und in Einzelstücken. Sie bewahren die Erinnerung an einen Computer, der zu gut und zu schlecht zugleich war.
Apple III |
Apple III+ |
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| Verkaufszeit: | Herbst 1980; November 1981 - Dezember 1983 | Dezember 1983 - April 1984 |
| Prozessor: | Mostek MOS 6502A, 1 oder 2 Mhz Taktfrequenz | Mostek MOS 6502A, 1 oder 2 Mhz Taktfrequenz |
| Arbeitsspeicher: | 4 K ROM, 64 - 512 K RAM | 4 K ROM, 64 - 512 K RAM |
| Massenspeicher: | Eingebautes 5 1/4 Zoll Diskettenlaufwerk (143 KB); optional: externes 5 1/4 Zoll Diskettenlaufwerk (143 KB), externe 5 MB Festplatte | Eingebautes 5 1/4 Zoll Diskettenlaufwerk (143 KB); optional: externes 5 1/4 Zoll Diskettenlaufwerk (143 KB), externe 5 MB Festplatte |
| Betriebssysteme: | S.O.S., DOS 3.3, ProDOS | S.O.S., DOS 3.3, ProDOS |
| Grafik: | Textmodus: 24 Zeile zu je 40 oder 80 Zeichen; Grafikmodus: 280 * 192 Bildpunkte; 16 Farben | Textmodus: 24 Zeile zu je 40 oder 80 Zeichen; Grafikmodus: 280 * 192 oder 560 * 192 Bildpunkte; 16 Farben |
| Sound: | 6 Bit | 6 Bit |
| Schnittstellen: | 2 serielle Game Ports, ein RS-232C-Anschluß, Anschluß für Diskettenlaufwerk, je ein Anschluß für schwarz/weiß- oder RGB-Monitor, Audioausgang, 6 interne Steckplätze | 2 serielle Game Ports, ein RS-232C-Anschluß, Anschluß für Diskettenlaufwerk, je ein Anschluß für schwarz/weiß- oder RGB-Monitor, Audioausgang, 6 interne Steckplätze |
© Volkmar Friauf, 1998